(Færøerne) – Die Infektionsrate des Landes entspricht ungefähr 75.000 täglichen Fällen in Dänemark. Die Færøerne (Färöer-Inseln) haben derzeit einen der höchsten Infektionsdrücke der Welt. Dennoch hat die nationale Regierung nun ein vollständiges Auslaufen aller Beschränkungen geplant. Denn trotz der hohen Infektionszahlen gibt es auf den Färöern keine Corona-Patienten in Krankenhäuser.

Daher werden die Behörden beginnen, das Coronavirus als eine gewöhnliche Grippe zu betrachten. Das teilten die Behörden des Landes am Freitag auf einer Pressekonferenz mit. „Ich freue mich, heute einen Plan bekanntgeben zu können, wie die letzten Schritte in Richtung Normalität ablaufen werden. Ich weiß, es mag gewagt erscheinen. Ich weiß auch, dass sich die Situation leicht ändern kann. Aber ich denke, es ist wichtig, dass die Bevölkerung weiß, dass wir planen, zum normalen Leben zurückzukehren“, sagt Anwalt Bárður á Steig Nielsen laut Local.fo.

Das Auslaufen der Beschränkungen erfolgt in drei Stufen, die am 1. Februar beginnen, wenn das Nachtleben öffnen darf. Am 28. Februar sollen laut Plan alle Beschränkungen aufgehoben werden. „Von nun an werden wir Covid-19 als eine Krankheit sehen, mit der wir wie mit vielen anderen Krankheiten leben müssen, und es wird jedem selbst überlassen sein, ob er das Risiko eingeht – genau wie bei einer gewöhnlichen Grippe“. klang es weiter auf der Pressekonferenz.

Der färöische Anwalt Bárður á Steig Nielsen, als er letztes Jahr im Folketing sprach. Foto: Mads Claus Rasmussen

Die tägliche Infektionsrate lag auf den Færøerne zuletzt bei rund 700, während sie am Freitag auf 533 gesunken war. Eine tägliche Infektionsrate von 700 auf den Færøerne entspricht ungefähr 75.000 täglichen Infektionen in Dänemark. Das sagt der Herausgeber der færøske (färöischen) Medien Kringvarp Føroya, John Johannessen.

„Die Zahl der stationären Patienten lag zwischen eins und fünf und liegt jetzt bei null. Und die Behörden sagen jetzt, dass alle Infizierten die Delta-Variante hatten“, sagt er. Somit wurde niemand aufgrund einer Infektion mit Omikron, das auch jetzt die dominante Virusvariante auf den Färöer-Inseln ist, ins Krankenhaus eingeliefert.

Laut John Johannessen hatten viele Färinger im Vorfeld Zweifel, was die Pressekonferenz am Freitag bringen würde. Einige dachten sogar, dass die Regeln weiter verschärft würden. „Aber es war stattdessen eine Ausstiegsstrategie. Darin seien sich die Gesundheitsbehörden und alle Parteien vollkommen einig: Jetzt bewege man sich auf ein Auslaufen zu“, sagt er.

Gleichzeitig weist John Johannessen darauf hin, dass es auf den Færøerne nie direkte Beschränkungen, sondern eher Empfehlungen gegeben habe. Bei der Ankunft im Land per Flugzeug oder Schiff wurden jedoch PCR-Tests verlangt. Und die Nachricht von der Wiedereröffnung hat vielerorts für Freude gesorgt. Nicht zuletzt im Nachtleben in Thorshavn, das nach der Pressekonferenz bekannt gab, dass es noch am selben Abend eröffnet wird, heißt es von John Johannessen. Und das, obwohl das Nachtleben am 1. Februar offiziell wiedereröffnet werden soll.

Der 1. Februar wird auch der Tag sein, an dem Geimpfte mit zwei Stichen nicht mehr isoliert werden, obwohl sie engen Kontakt hatten. Zudem wird die Teststrategie dahingehend geändert, dass nur Patienten und Personen mit positivem Schnelltest PCR-getestet werden müssen.

Infektionserkennung und -isolierung haben im færingernes (färöischen) Alltag zu großen Problemen geführt. „Das Gesellschaftsleben hat deswegen aufgehört. Deshalb werde die Beschränkung jetzt aufgehoben“, sagt John Johannessen.

Die gleiche Debatte wird derzeit in Dänemark geführt. Laut der Corona-Website der Færøerne haben fast 93 Prozent aller Færinger über 12 Jahren mindestens einen Impfstich erhalten, 91 Prozent mindestens zwei und 48 Prozent über 18 Jahren drei Impfstiche.

Insgesamt 9.761 Færinger wurden während der Epidemie als infiziert befunden. 15 sind an Covid-19 gestorben.

Quelle: TV2 – übersetzt und bearbeitet von

Günter Schwarz – 22.01.2022

Foto: Archivbild