Ein geschützter Konvoi bringt Fahrzeuge und Waffen über die Ostsee, wenn dänische NATO-Soldaten nach Estland verlegt werden. Anfang nächsten Monats schickt Dänemark 200 Soldaten mit Waffen. Ausrüstung und Fahrzeugen nach Estland.

Russlands Invasion in der Ukraine hat Befürchtungen geweckt, dass NATO-Staaten wie Estland, Lettland und Litauen die nächsten sein könnten, die von Russland angegriffen werden und auf die geschossen wird. Deshalb verstärkt die NATO jetzt ihre Präsenz in Osteuropa. Die NATO will Russland zu verstehen geben, dass Streitkräfte anwesend sind, falls Russland ein NATO-Mitgliedstaat angreifen sollte.

Die 200 dänischen Soldaten und ihre Ausrüstung werden daher zu einem Zeitpunkt nach Osteuropa geschickt, in dem es sehr große Spannungen zwischen Russland und der NATO gibt. „Die ausgedehnte russische Invasion in der Ukraine wird zu großen russischen Militäraktivitäten in den Territorien mehrerer NATO-Staaten im Osten des Bündnisses führen. Damit erhöhe sich auch das Risiko von unbeabsichtigten Ereignissen und Missverständnissen, heißt es in einem Kommentar zu der Resolution, der das Folketing am Donnerstag beigepflichtet hat.

Während die Soldaten nach Estland fliegen, wird ein Frachtschiff mit unter anderem Fahrzeugen und Waffen der Truppe über die Ostsee eskortiert. „Die Marine wird eine Fregatte zur Verfügung stellen, und wir werden Flugzeuge in die Luft schicken, damit unser Verteidigungsbeitrag sicher ankommt“, hieß es von Verteidigungsminister Morten Bødskov (Socialdemokraterne) auf einer Pressekonferenz am Donnerstag.

Bei der Eskorte geht es wahrscheinlich darum, den Konvoi zu schützen, falls die Russen ihn belästigen wollen. Dieses ist die Meinung von Anders Puck Nielsen, Kapitän bei der Marine und Militäranalytiker an der Verteidigungsakademie. „Meine Einschätzung ist, dass es in erster Linie zu sogenannten Belästigungsepisoden (Belästigungsepisoden) kommen könnte, bei denen russische Schiffe und Flugzeuge sehr nahe kommen und einfach störend fahren oder fliegen“, sagt er. „Ich denke also, es geht darum, das Frachtschiff zu schützen, indem man eine Fregatte dabei hat, die sich anderen Schiffen in den Weg stellen kann“, fährt Anders Puck Nielsen fort.

Laut Anders Puck Nielsen entscheiden sich die Streitkräfte dafür, ihr Frachtschiff zu eskortieren, obwohl sie keinen direkten Angriff der Russen befürchten. Auch Verteidigungschef Flemming Lentfer betonte, dass man derzeit keine direkte militärische Bedrohung Dänemarks sehe. „Lassen Sie mich sagen, dass die Streitkräfte keine konkrete Bedrohung für Dänemark oder dänische Gebiete sehen. Aber wir betrachten die Situation mit größter Ernsthaftigkeit“, sagte er auf der Pressekonferenz am Donnerstag.

Bei der Art der Belästigung, vor der die Marine den Törn des Frachters schützen wird, geht es dagegen lediglich um Einschüchterung. „Es geht darum, den anderen Angst einzujagen und zu signalisieren, wie furchtlos und stark man ist“, sagt Anders Puck Nielsen.

Bei typischen Belästigungsstrategien fährt man sehr dicht an den anderen Schiffen vorbei. In einigen Fällen kollidieren die Schiffe miteinander. „Es klingt völlig albern und kindisch, und das ist es auch. Aber nichtsdestotrotz passiert es regelmäßig“, sagt Anders Puck Nielsen.

„Russische und amerikanische Schiffe wurden zuvor mit solchen Vorfällen im Pazifik vertraut. Es gab auch Episoden, in denen amerikanische Piloten russische Flugzeuge abfingen, die ihren eigenen Flugzeugen in der Luft sehr nahe kamen. Es ist also einfach etwas los“, fährt er fort.

Die Spannungen zwischen der NATO und Russland sind in hohem Maße in den an Russland angrenzenden baltischen Ländern zu spüren. Hier in der Stadt Narva im Norden Estlands können sie direkt nach Russland fahren – und umgekehrt.

Daraufin bereitet sich das Militär auf Störungen oder „Belästigung“, wie es beim Militär heißt, vor. Es ist etwas, was in vielen Streitkräften praktiziert wird. Sie üben sowohl, vom Feind belästigt zu werden, als auch den Feind selbst zu belästigen. „Es kann eine Strategie sein, die sie selbst anwenden, wenn es einige gibt, die sie stoppen möchten und die es nicht richtig machen. Dann muss man irgendwann rangehen und auf jeden Fall auch nah heranfahrn“, sagt Anders Puck Nielsen.

Laut dem Verteidigungsanalysten von DR Nyheders, Mads Korsager Nielsen, ist die bevorstehende Eskorte des Konvois nach Estland ein Beispiel dafür, wie sich die Situation in kurzer Zeit geändert hat „In der Vergangenheit war es fast so, als würde man die Mols-Linie nehmen, wenn die Streitkräfte Soldaten zur NATO-Mission in Estland hin und her verlegten. Es habe in Frieden und Toleranz stattgefunden“, sagt er und fährt fort: „Jetzt braucht es einen bewaffneten Konvoi mit einer Fregatte und Kampfjets, weil man mit russischen Schikanen rechnen muss.“

Polen, das ebenfalls NATO-Mitglied ist, kann sich ebenfalls über Hilfe der dänischen Verteidigung in Form von zwei F16-Kampfflugzeugen freuen. Sie sollen helfen, den Luftraum des Landes zu sichern.

Quelle: Danmarks Radio – übersetzt und veröffentlicht von

Günter Schwarz – 26.02.2022

Foto: Danmarks Radio