Mehrere der sanktionierten russischen Milliardäre, die Oligarchen „von Putins Gnaden“ besitzen riesige Yachten. In europäischen Häfen riskieren sie jetzt, beschlagnahmt zu werden. Deutschland hat eine in Hamburg liegende der größten und teuersten Luxusyachten der Welt beschlagnahmt.

Es passierte, nachdem der Eigentümer, der russische Milliardär Alisher Usmanov, am Montag von EU-Sanktionen gegen russische Oligarchen im Zusammenhang mit Präsident Vladimir Putin getroffen wurde. Das schreibt das amerikanische Magazin „Forbes“, das die reichsten Menschen der Welt genau beobachtet und unter anderem ein jährliches Ranking darüber veröffentlicht, wer die größten Vermögen hat.

Die 156 Meter lange Yacht „Dilbar“ von Alisher Usmanov liegt seit Herbst auf der Werft in Hamburg. „Forbes“ beruft sich für die Meldung auf drei unabhängige Quellen aus der deutschen Schiffbauindustrie. Die Nachrichtenagentur Reuters hat vergeblich versucht, die Geschichte von den deutschen Behörden offiziell bestätigen zu lassen.

Die Welt größte „Dilbar“ wird auf rund vier Milliarden Kronen (537,6 Mio. Euro) geschätzt und ist gemessen an der Bruttoregistertonne die größte Yacht der Welt. Sie wurde 2016 speziell für Usmanov in Deutschland gebaut und umfasst das weltweit größte Schwimmbecken an Bord einer Yacht, zwei Hubschrauberlandeplätze, eine Sauna, einen Schönheitssalon und ein Fitnessstudio. Die Besatzung besteht aus 96 Mann, während an Bord Platz für 24 Gäste, aufgeteilt in 12 Suiten, ist.

Trotz all dieses Luxus ist die „Dilbar“ ein Aufwand, den Alisher Usmanov bislang problemlos bewältigt.“

Alisher Usmanov (Archivfoto) Foto: Yuri Kochetkov

Er besitzt bedeutende Teile des Eisen- und Stahlkonzerns Metalloinvest, des Elektronikunternehmens Xiaomi und ist an Telefonie, Bergbau und Medien beteiligt. Laut „Forbes“ gehörte er auch zu den ersten Investoren bei Facebook und besaß zuvor einen bedeutenden Teil des englischen Fußballvereins Arsenal. Er ist in der Welt des Sports auch als Präsident des Internationalen Fechtverbandes bekannt. Nachdem er am Montag von EU-Sanktionen getroffen wurde, hat er diesen Posten vorübergehend niedergelegt.

Usmanov hat sich zur Beschlagnahme seiner Superyacht nicht geäußert, aber am Dienstag bezeichnete er EU-Sanktionen als „falsche und beleidigende Anschuldigungen, die meine Ehre, Würde und meinen Ruf als Geschäftsmann beschädigen“. „Ich werde alle erdenklichen rechtlichen Schritte unternehmen, um meine Ehre und meinen Ruf zu schützen“, sagte er auf der Website des Fechtverbandes.

Alisher Usmanov ist nur einer von mehreren russischen Oligarchen, die Gefahr laufen, ihre Superyachten zu verlieren, schreibt „Forbes“. Das Magazin hat eine Liste von 32 Superyachten zusammengestellt, die russischen Oligarchen entweder direkt oder über verschiedene Firmenstrukturen gehören (Forbes definiert eine „Superyacht“ als eine Yacht, die mehr als 25 Meter lang ist – also deutlich kleiner als „Dilbars“ mit einer Länge von 156 Meter).

Superyachten versammelten sich 2021 im Hafen von Monaco Foto: Valery Hache

Mindestens fünf dieser Superyachten haben kürzlich im Indischen Ozean den Weg nach den Malediven gesucht, das kein Auslieferungsabkommen mit den Vereinigten Staaten hat, während andere sich laut internationalen Schiffsverfolgungslisten auf den Seychellen oder in der Karibik befinden, schreibt „Forbes“.

Der Verwundbarste auf der Liste ist offenbar Russlands viertreichster Mann Alexej Mordaschow, der am Montag Seite an Seite mit Alischer Usmanow auf die Sanktionsliste der EU gesetzt wurde. Er ist Hauptaktionär der Severstal-Gruppe, die an Metallen, Energie und Bergbau beteiligt ist. Außerdem ist er größter Anteilseigner des großen europäischen Reisekonzerns TUI, der auch in Dänemark tätig ist.

Mordaschows 65 Meter lange Superyacht „Lady M“ wurde vor wenigen Tagen im italienischen Hafen von Imperia, also in einem EU-Hafen, gesichtet und droht damit beschlagnahmt zu werden.

Die britische Zeitung „The Guardian“ schreibt, dass die größte Mittelmeerwerft für Superyachten in Barcelona – ebenfalls in einem EU-Land – derzeit Wartungsarbeiten an drei russischen Superyachten durchführt. Die Besitzer sind einige der reichsten Oligarchen Russlands, darunter Roman Abramovich, dem bekannt ist, dass er den englischen Fußballklub Chelsea jahrelang besaß. Er hat seine 140 Meter lange Superyacht „Solaris“ in Barcelona in der Werft liegen lassen. Allerdings wurden weder Abramovich noch die beiden anderen Yachtbesitzer in Barcelona sanktioniertt, weder von der EU noch von den USA oder in Großbritannien.

US-Präsident Joe Biden hat davor gewarnt, dass die Liste der von den Sanktionen Betroffenen um Personen erweitert werden könnte, die Schlüsselwirtschaft in Russland kontrollieren. Und diese Beschreibung passt gut zu Abramovich, einem Großaktionär des Bergbaugiganten Evraz.

Der inhaftierte russische Oppositionsführer Alexei Nawalny hat zuvor eine Liste mit 31 Personen veröffentlicht, von denen er glaubt, dass sie von westlichen Sanktionen betroffen sein sollten – und diese Liste enthält auch Abramowitsch. Seine Anwälte sagen jedoch gegenüber „The Guardian“, dass „er in keiner Weise auf die Beschreibung der Personen achtet, denen möglicherweise Sanktionen drohen“.

Sollte Alexey Mordashov oder Roman Abramovich das Schlimmste passieren, so dass die EU ihre Superyachten in Italien und Spanien beschlagnahmt, können sich beide trösten. Aus der „Forbes“-Liste geht hervor, dass sie beide eine zusätzliche – und größere – Superyacht besitzen. Mordashov hat die 141 Meter lange Yacht „Nord“ auf den Seychellen liegen lassen, während Abramovich die 162 Meter lange „Eclipse“ auf St. Martin in der Karibik hat.

Quelle: TV2 – übersetzt und bearbeitet von

Günter Schwarz – 03.03.2022

Fotos: Archivbild / TV2