Wie kamen die Franziskanerinnen nach Flensburg?

Seit Jahrzehnten gehören Franziskaner-Nonnen in Ordenstracht zum Stadtbild in Flensburg. Besonders in der Nähe des Franziskus-Krankenhauses, Burgplatz und Duburger Straße begegnet man öfter den „Graugänsen“ in voller Ordenstracht. Wie die Franziskanerinnen nach Flensburg kamen, konnten wir in einem Gespräch mit der Franziskanerin Schwester Maria Margarete klären:

Die Franziskaner-Nonnen (genauer: Franziskanerinnen) in Flensburg kamen hauptsächlich aus Aachen.

Es handelt sich um die Armen-Schwestern vom heiligen Franziskus (auch Aachener Franziskanerinnen genannt), eine im 19. Jahrhundert gegründete Gemeinschaft.

Historischer Hintergrund
Während des Deutsch-Dänischen Krieges 1864 kamen Malteser mit Pflegekräften, darunter sechs dieser Aachener Franziskanerinnen, nach Flensburg, um in Lazaretten Verwundete zu versorgen.
Nach Kriegsende blieben sie auf Bitten der Flensburger Bevölkerung, um die Armen und Kranken der Stadt zu pflegen – Flensburg war damals überwiegend protestantisch und hatte einen katholischen Bevölkerungsanteil (u. a. durch Zuwanderung).
Sie gründeten und betrieben das Malteser St. Franziskus-Hospital (das älteste Malteser-Krankenhaus in Deutschland), das 1865 mit 24 Betten eröffnet wurde. Die Schwestern leisteten dort über 115 Jahre lang Pflegedienst.

Die Gemeinschaft war bis 1981 aktiv in Flensburg präsent. Danach zogen die meisten Schwestern ab, um Kräfte an anderen Orten zu bündeln; die Arbeit wurde mit einer freien Schwesternschaft und Laienkräften fortgeführt.

Heute gibt es in Flensburg (z. B. im Zusammenhang mit dem Hospital oder der katholischen Pfarrei Stella Maris) nur noch wenige Schwestern, die teilweise aus anderen Gemeinschaften stammen (z. B. Dienerinnen vom Heiligen Blut aus Regensburg, die später kamen). Die traditionelle Präsenz geht aber klar auf die Aachener Franziskanerinnen zurück.

Zusammengefasst: Die „vielen“ Franziskaner-Nonnen, von denen man in Flensburg immer wieder etwas sieht und hört, sind historisch fast ausschließlich diese Aachener Schwestern, die aus dem Rheinland kamen, um in der Krisenzeit des 19. Jahrhunderts karitativ zu helfen – und dadurch dauerhaft in der Stadt wirkten. Das mittelalterliche Franziskanerkloster in Flensburg (13.-16. Jahrhundert) hat damit nichts zu tun; es war ein Männerkloster der Graubrüder und wurde nach der Reformation aufgelöst.

Quellen: Schwester Maria Margarete, SHZ, malteser-franziskus.de und pfarrei-stella-maris.de

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