Kopenhagen – Ab dem 1. September gelten in Dänemark deutlich gelockerte Vorschriften für den Abschuss von Wölfen. Künftig darf ein Wolf ganzjährig und landesweit reguliert werden, wenn er als Gefahr für Nutztiere eingestuft wird. Die Änderung löst bei Natur- und Tierschutzorganisationen massive Proteste aus. Sie befürchten, dass die neuen Regelungen einer faktischen Freijagd Tür und Tor öffnen.
Die neue Bekanntmachung der zuständigen Behörde (Styrelsen for Grøn Arealomlægning og Vandmiljø) erlaubt den Abschuss ohne vorherige behördliche Genehmigung, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind. Das gilt sowohl, wenn ein Wolf hinter ein wolfsicheres Gehege eindringt, als auch dann, wenn der Schuss als notwendig erachtet wird, um einen Angriff auf Nutztiere abzuwehren. Ein wolfsicheres Gehege ist dabei nicht zwingend Voraussetzung. Auch bei einem Angriff auf ein Nutztier oder einen Jagdhund kann der Wolf reguliert werden. Vor dem Schuss ist jedoch ein Warnschuss abzugeben. Reagiert das Tier nicht und setzt die Situation fort, darf geschossen werden.
Naturschutzverbände schlagen Alarm. Danmarks Naturfredningsforening hält die Erleichterung für überflüssig. Direktor Lars Midtiby bezeichnet die Änderung als schlechte Idee und betont, dass der Wolf ein streng geschütztes und bedrohtes Tier sei. Dyrenes Beskyttelse sieht gravierende Probleme: Die Regelungen untergraben den Sinn wolfsicherer Zäune, wenn bereits das Eindringen auf die falsche Seite des Zauns zum Abschuss berechtigen kann. Besonders kritisch bewertet die Organisation die Formulierung zur Abwehr eines Angriffs auf Nutztiere. Unklar bleibe, wie nah ein Angriff sein müsse, damit ein Schuss gerechtfertigt sei. Das öffne subjektiven Einschätzungen Tür und Tor.
Michael Carlsen, Zoologe bei Dyrenes Beskyttelse, warnt vor einer gefährlichen Schleuse: Wenn private Personen weitgehend selbst entscheiden, wann ein Wolf eine konkrete Gefahr darstellt, werde die Kontrolle erschwert. Noch schärfer formuliert die Vereinigung Ulvetid. Vorsitzender Ole Pedersen spricht von einer faktischen Öffnung der Jagd auf Wölfe, weil Behörden vor dem Schuss nicht zwingend eingebunden sein müssten. Die Organisation kündigt an, alles zu unternehmen, um das Inkrafttreten zu verhindern – unter anderem durch eine Beschwerde bei der EU-Kommission.
Natur- und Tierschutzminister Christian Rabjerg Madsen (Sozialdemokraten) weist den Vorwurf der Freijagd zurück. Die Vorschriften enthielten weiterhin klare Voraussetzungen, und die Behörden würden die Entwicklung eng begleiten. Die Änderungen bewegten sich im Rahmen der EU-Habitatrichtlinie.
Damit stehen die Fronten klar: Die Regierung spricht von notwendiger Regulierung problematischer Wölfe. Die Kritiker sehen dagegen die Grenze zur regulären Jagd bedenklich dünn werden. Ab dem 1. September treten die neuen Regeln in Kraft.