Kopenhagen – Die neu gebildete dänische Regierung hat mit der Ankündigung kostenloser Zahnbehandlungen für die gesamte Bevölkerung große Erwartungen geweckt. Doch bereits einen Tag nach der Regierungsbildung zeigen sich deutliche Unterschiede in der Interpretation des Vorhabens. Eine schnelle Umsetzung für alle Dänen ist vorerst nicht geplant.Am Dienstag wurde nach langen Verhandlungen die Vier-Parteien-Regierung aus Sozialdemokraten, Radikaler Venstre (Radikaler Linker), Moderaterne und SF (Sozialistische Volkspartei) vorgestellt. Noch am selben Tag präsentierten die Parteivorsitzenden erste Eckpunkte des neuen Regierungsprogramms.Während mehrere sozialpolitische Maßnahmen wie die Absenkung der Mehrwertsteuer auf Obst und Gemüse auf null sowie kostenloser öffentlicher Nahverkehr für junge Menschen unter 22 Jahren relativ klar kommuniziert wurden, sorgte das Thema Zahnbehandlung für unterschiedliche Töne.Dragsted: „Innerhalb von maximal zehn Jahren“
Der politische Sprecher der Enhedslisten (Einheitspartei), Pelle Dragsted, erklärte bereits am Dienstagmorgen, die neue Regierung und ihre Unterstützer hätten sich darauf geeinigt, „die Zahnbehandlung für alle Dänen innerhalb von maximal zehn Jahren kostenlos zu machen“.Bei der Vorstellung des vollständigen Regierungsprogramms am Nachmittag äußerte sich SF-Vorsitzende Pia Olsen Dyhr deutlich zurückhaltender. Sie sprach von einem „ambitionierten Ziel“, das schrittweise zunächst für sozial schwache Gruppen eingeführt und später auf die gesamte Bevölkerung ausgeweitet werden könne.Im offiziellen Regierungsprogramm wird die „kostenlose Zahnbehandlung für die gesamte Bevölkerung“ lediglich als langfristige Vision bezeichnet. Eine Expertenkommission soll noch in diesem Jahr ein konkretes Modell erarbeiten. Ziel ist eine vollständige Umsetzung bis 2035, unter Berücksichtigung der vorhandenen zahnärztlichen Kapazitäten und der finanziellen Belastung für den Staat.Finanzierung zunächst begrenztBis 2030 sollen vier Milliarden Kronen für steuerfinanzierte Zahnbehandlungen bereitgestellt werden. Die schrittweise Einführung beginnt bereits 2027 zunächst für Frührentner und besonders schutzbedürftige Gruppen. Pelle Dragsted betonte, dass die Mittel auch für weitere Gruppen wie alle staatlichen Rentner genutzt werden könnten, räumte aber ein, dass sie für die gesamte Bevölkerung nicht ausreichen. „Es muss mehr Geld gefunden werden, und wir werden dabei helfen“, sagte er am Dienstagabend.Frühere Berechnungen gehen von jährlichen Kosten zwischen acht und elf Milliarden Kronen aus. Der Vorsitzende des Dänischen Zahnärzteverbandes, Torben Schønwaldt, schätzt die Kosten für eine Vollfinanzierung auf dem heutigen Niveau auf etwa 11 Milliarden Kronen pro Jahr. Bei steigender Inanspruchnahme könnten die Ausgaben auf bis zu 18 Milliarden Kronen ansteigen.Schønwaldt warnte zudem vor erheblichen Kapazitätsproblemen: „Wenn nicht gleichzeitig mehr Zahnärzte und Dentalhygieniker ausgebildet werden, wird sich das massiv auf die Wartezeiten auswirken.“ Er plädierte dafür, Subventionen gezielt bei Patienten mit dem größten Behandlungsbedarf einzusetzen.Ob die neue Regierung das ehrgeizige Vorhaben einer flächendeckend kostenlosen Zahnbehandlung tatsächlich umsetzen kann, bleibt damit vorerst offen. Die ersten Signale zeigen: Zwischen Ankündigung und tatsächlicher Finanzierbarkeit klafft noch eine erhebliche Lücke.