Profil eines Mörders: Die Mordfantasien des Mörders von Nørresundby

Nørresundby/Aalborg – Ein 48-jähriger Mann mit einer lebenslangen Faszination für Waffen hat am Freitag, dem 17. Juli 2026, in einem Industriegebiet nördlich von Aalborg einen 62-jährigen Helfer erschossen und anschließend auf die Polizei geschossen. Der Täter, der bereits vor 16 Jahren wegen einer bewaffneten Bedrohung mit rassistischen Äußerungen verurteilt wurde, gestand das Tötungsdelikt rasch. Das Motiv bleibt weiterhin unklar.

Die Tat in Virkelyst
12Am Freitagnachmittag gegen 14 Uhr ging bei der Nordjyllands Politi die Meldung über einen Brand in einem Gebäude in der Virkelyst 12 in Nørresundby ein – einem Industrie- und Gewerbegebiet am nördlichen Stadtrand von Aalborg. Als Einsatzkräfte eintrafen, eskalierte die Lage dramatisch. Ein 48-jähriger Mann eröffnete das Feuer. Drei Personen wurden getroffen: Ein 62-jähriger Zivilist, der offenbar gekommen war, um beim Löschen des Feuers zu helfen, wurde tödlich verletzt. Ein Polizeibeamter erlitt Schussverletzungen am Bein und am Rumpf, befand sich aber in stabilem Zustand. Der Täter selbst wurde durch Polizeischüsse schwer verletzt.

Erst nach der Festnahme des Mannes entdeckten die Ermittler im Inneren des Gebäudes – offenbar einem Autolackierwerkstatt-Betrieb – die Leiche des 62-Jährigen. Bei der anschließenden gerichtlichen Anhörung (Grundlovsforhør) in Hjørring gestand der 48-Jährige, den Mann erschossen zu haben. Er wurde in Untersuchungshaft genommen, zunächst für vier Wochen bis zum 14. August 2026. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord (manddrab) sowie grobe Gewalt gegen den Polizisten vor. Eine psychiatrische Untersuchung wurde angeordnet, der Täter hat zugestimmt.

„Ich wollte mich selbst töten“
Vor Gericht äußerte der 48-Jährige, er könne sich an den Ablauf des Freitags nicht erinnern, habe aber nach der Festnahme mit einem Polizisten gesprochen. „Ich war es leid, ich wollte mir das Leben nehmen. Ich wollte nicht mehr“, soll er gesagt haben. Sein Verteidiger Torben From erklärte gegenüber TV 2 Nord auf die Frage nach einem möglichen Motiv: „Nein.“ Auch die Polizei betont, dass das Motiv noch völlig unklar sei und Gegenstand intensiver Ermittlungen bleibe. Bis zu 15–20 Zeugen sollen befragt werden.

Düstere Vorgeschichte: Die McDonald’s-Episode von 2010
Der Täter ist kein Unbekannter für die Justiz. Bereits am 23. April 2010, einem warmen Frühlingstag, spielte sich in Nørresundby eine beunruhigende Szene ab – nur wenige Kilometer vom aktuellen Tatort entfernt. Auf dem Parkplatz des McDonald’s am Forbindelsesvejen richtete der damals 32-Jährige eine geladene ungarische Selbstladepistole (Kaliber 7,65 mm mit vier Patronen im Magazin) auf einen Mann und eine Frau.

Zeugenaussagen und Gerichtsprotokolle, die TV 2 Nord einsehen konnte, beschreiben, wie der Mann den Autofahrer mit den Worten konfrontierte: „Wie fährst du, du schwarzes Schwein?“ (dänisch: „dit sorte svin“) und „Skal du have med gøbben?“ (etwa: „Willst du was mit der Knarre abbekommen?“). Er soll die Waffe direkt auf die beiden Personen gerichtet haben. Die Polizei fand die geladene Pistole bei ihm. Der Täter gab an, die Waffe ein bis zwei Wochen zuvor auf einem Dachboden gefunden zu haben.

Vor Gericht offenbarte er seine tiefe Leidenschaft für Schusswaffen: Er besaß nach eigenen Angaben fünf Jagdgewehre, drei Schrotflinten und ein Hundetrainingsgewehr. Seit vielen Jahren ging er auf die Jagd und betrieb Schießsport. Das Gericht verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten.

Der Mann gab an, sein ganzes Leben in der Gegend um Virkelyst in Nørresundby verbracht zu haben. Nach aktuellen Berichten wohnte er zuletzt in der Dronningensgade in Nørresundby. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung fanden Polizisten weitere Waffen und Munition.

Ein Profil voller offener Fragen
Der Fall wirft viele unbeantwortete Fragen auf: Warum wurde der 62-Jährige, der offenbar nichts mit dem Täter zu tun hatte, erschossen? War das Feuer gezielt gelegt, um Helfer oder Polizei anzulocken? Welche Rolle spielte die psychische Verfassung des Täters, der von Suizidgedanken sprach?

Während die Ermittlungen laufen, bleibt die Bevölkerung in Nørresundby schockiert. Augenzeugen, darunter ein Fahrlehrer, der einem verletzten Polizisten half, berichten von chaotischen Szenen. Die Polizei war mit starken Kräften vor Ort, Techniker untersuchten das ausgebrannte Gebäude am Wochenende intensiv.

Der „Mörder von Nørresundby“ steht nun sinnbildlich für eine gefährliche Mischung aus langjähriger Waffennarration, psychischen Problemen und plötzlicher Gewaltbereitschaft. Ob rassistische Motive aus der Vergangenheit eine Rolle spielen oder ob es sich um eine persönliche Verzweiflungstat handelt, werden die weiteren Ermittlungen und die angeordnete psychiatrische Begutachtung zeigen müssen.

Quelle: Dieser Bericht basiert auf Angaben von Nordjyllands Politi, TV 2 Nord, Gerichtsunterlagen und weiteren Medienberichten. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen.

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