Erinnerung an Børges Huset

Vor einigen Jahren verschwand ein weiteres der alten Handelshäuser in Billunds Hauptstraße Nr. 9. Dies geschah im Zuge des Abrisses des Hovedgaden-Abschnitts und des Baus des heutigen Gammelbro, in das die SYDBANK einzog.

Eigentlich ist die Bezeichnung „Anne Børges Haus“ nicht korrekt, da das Haus mehrere Jahre im Besitz der SYDBANK war und von ihr genutzt wurde. Dennoch erinnern sich manche von uns noch immer an das Haus von Anna Børge. In diesem Haus wurde reger Handel getrieben – zunächst wurden Kleidung und Dessous über den Ladentisch und Geld über den Tresen verkauft. Später floss Geld in beide Richtungen. Und nun ist auch der Geldfluss versiegt.

Das Haus steht seit etwa 100 Jahren an diesem Ort. Seine Geschichte beginnt im Jahr 1907, als Marius Christensen das Geschäft, das Grundstück und das Land des Schmieds Simonsen erwarb. Es handelt sich um die Häuser Hovedgaden Nr. 7–13. Marius riss die alte Schmiede umgehend ab und errichtete an derselben Stelle eine neue. Später baute Niels Jensen (der alte Niels) dort das Manufakturhuset (Anne Børges Haus) in der Hovedgaden Nr. 9.

1912 baute Marius Christensen neben der Schmiede ein neues Bauernhaus und lebte dort bis zu seinem Tod 1973, nachdem er den Betrieb 1947 an seine Tochter Emma und seinen Schwiegersohn Gunnar übergeben hatte. Das Haus wurde 2005 abgerissen und wird als das Haus in Erinnerung bleiben, in dem Emma und der Schmied Gunnar lebten und von dem aus Gunnars unzählige Fahrradtouren mit Trine auf der Stange begannen. Nachdem Gunnar die Schmiede 1971 verkauft hatte, engagierte er sich bei LEGO, wo er einige Jahre lang die sanitären Verhältnisse überwachte.

Wir springen ins Jahr 1927, und Marius baut eine neue Schmiede mit Werkstatt in der Hovedgaden Nr. 9. 11 und gleichzeitig GammelNiels, Niels Jensen, dann das Manufakturhuset. Die Gebäude wurden zusammen errichtet, sind aber durch eine Brandmauer getrennt, die auch noch auf einigen Bildern zu sehen ist.

GammelNiels betrieb bis 1947 ein Produktionsunternehmen, das er dann an Anne und Børge Christensen verkaufte. Anne übernahm daraufhin das „Manufakturhuset“. Børge, ein Maurer, baute außerdem ein Dachzimmer für GammelNiels, der bis zu seinem Tod 1956 bei Anne und Børge lebte.

Anne war die Tochter von Margrethe und Jørgen Puggaard, die „Puggård“ in Krog führten. Dieses wurde später, am 1. Januar 1941, von Annes Schwester Metha und ihrem Mann Adolf Horsted übernommen.

Børge war der Sohn von Johanne und Marius Christensen und somit der Bruder von Emma Smed. Johanne war auch GammelNiels’ Schwester, daher kann man sagen, dass die Familie auf Hovedgaden recht eng verbunden war. Anne und Børge lernten sich am 15. September 1940 auf der Hochzeit von Metha und Adolf in Krog kennen und heirateten am 23. August 1943.

Kurz nach der Hochzeit machte sich Børge als Maurer selbstständig und führte 1968 eine umfassende Renovierung von Hausnummer 9 auf Hovedgaden – Anne Børges Haus – durch, wo das Paar auch seine Silberhochzeit feierte.

Ein zweistöckiger Anbau wurde in den Garten integriert, einige Hinterhäuser wurden abgerissen und im Obergeschoss eine private Wohnung errichtet. Von dieser Adresse aus betrieb Børge bis zu seinem Tod im Dezember 1987 sein Maurergeschäft.

Von der Adresse Hovedgaden 9 – Anne Børges Haus – wurden zahlreiche Damen aus Billund unter anderem mit Gardinen, Stoffen, Garn, Unterwäsche und Korsetts, Strümpfen, Kleidern und Mänteln versorgt – kurzum, mit einem wahren Gemischtwarenladen.

Gleichzeitig war Børge mit dem Bau eines Großteils der heute als „alt“ geltenden Häuser in den damals neuen Vierteln beschäftigt. Anne Børge gab ihr Geschäft 1988 auf und lebte bis zu ihrem Tod im Jahr 2005 – einen Monat nach ihrem 90. Geburtstag – in der Wohnung darüber. Anne Børge liebte ihre Wohnung und konnte sich nie vorstellen, von dort wegzuziehen.

Wenn Anne Børges Haus sprechen könnte, gäbe es viele spannende Geschichten und Anekdoten aus jener Zeit und über die Menschen, die damals dort aktiv waren, zu erzählen.

Diese Zeit ist vorbei – und so muss es sein. Neue Zeiten kommen und die Dinge ändern sich, aber deshalb ist es nicht wichtig, dass wir zurückblicken und uns an Vergangenes erinnern.

Quelle: Geschichten aus dem Archiv
Das GrindstedArchivet, das Lokalgeschichtsarchiv der Gemeinde Grene in Billund und das Vorbasse Lokalgeschichtsarchiv veröffentlichen abwechselnd Geschichten in der Wochenzeitung Billund-Grindsted. Etwa einmal im Monat erscheint eine neue Geschichte aus dem Archiv.

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