Berliner LINKE Angst vor den eigenen Unterstützern?

Berlin: Der Fall Elif Eralp und die Berliner Linke. Der Umgang der Berliner Linken mit möglichen Verbindungen in das Umfeld der Hamas wirft Fragen nach politischer Verantwortung und Transparenz auf.

Auslöser ist ein Interview, das Eralp Anfang der Woche dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel gegeben hatte. Darin ging es unter anderem um Ibrahim Ibrahim, einen Vertreter einer Organisation, die nach Angaben des Berliner Verfassungsschutzes dem Umfeld der Hamas zugeordnet wird.

Ibrahim war am Wahlabend auf der Wahlparty der Linken in Neukölln neben Ferhat Kotrak zu sehen. Im Interview wurde Eralp konkret darauf angesprochen und bestätigte zunächst, dass sie ihn meine. Bei der anschließenden Freigabe des Interviews ließ sie diese Frage und ihre Antwort jedoch streichen.

Brisant wurde der Vorgang durch eine offenbar versehentlich mitgeschickte Anmerkung ihres Büros an die Redaktion des Spiegel. Darin erklärte Eralp, dass sie und andere keine konkreten Namen nennen wollten, weil sie Angst vor den betreffenden Personen hätten. Sie könne sich und ihre Familie nicht für ein Interview mit dem Spiegel in Gefahr bringen. Rückblickend habe sie dem Interview niemals zusagen dürfen. Bislang habe sie entsprechende Vorfälle lediglich allgemein verurteilt, ohne einzelne Personen konkret zu benennen. Politisch stellt sich damit die grundlegende Frage, wie glaubwürdig der Kampf gegen extremistische Strukturen ist, wenn konkrete Verantwortliche aus Angst nicht öffentlich benannt werden. Der Fall ist dabei nicht losgelöst von bisherigen politischen Kontakten zu beobachten.

Bereits im September 2025 hatte die Linke in Neukölln gemeinsam mit dem Komitee von Ibrahim Ibrahim, das vom Verfassungsschutz beobachtet wird, ein Sommerfest für Palästina beworben. Ibrahim selbst erklärte, sein Komitee habe die arabische und palästinensische Community für die Linken in Berlin mobilisiert. Das wirft Fragen nach politischen Beziehungen und gegenseitigen Erwartungen auf. Niemand sollte in der Politik gezwungen sein, um die Sicherheit der eigenen Familie fürchten zu müssen, das gilt selbstverständlich auch für Elif Eralp. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob Schweigen tatsächlich geeignet ist, solche Strukturen zurückzudrängen. Wo konkrete Verantwortliche nicht benannt werden, besteht die Gefahr, dass bestehende Einschüchterungsmechanismen weiterwirken. Politische Verantwortung bedeutet auch, dort Klartext zu reden, wo es unbequem wird. Wer sich gegen radikale Strukturen positioniert, muss bereit sein, diese Auseinandersetzung auch konkret zu führen. Selbst wenn die derzeitigen politischen Konstellationen in Berlin scheitern sollten, bleibt ein grundlegendes Problem bestehen. Diejenigen Teile des politischen Milieus innerhalb der Linkspartei, die solche Kontakte und Strukturen weiterhin tolerieren oder schützen, verschwinden nicht automatisch mit einzelnen Personalentscheidungen. Der Vorgang könnte vielmehr eine problematische Botschaft vermitteln: In Teilen des politischen Betriebs kann Angst dazu führen, dass notwendige Auseinandersetzungen vermieden werden. Und Angst ist bekanntermaßen ein schlechter Ratgeber.

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