Valdemar geht nicht nur zur Schule – er baut sie mit.

Hejnsvig: Valdemar Andersen trägt einen Helm und hat Erde an den Stiefeln. Hinter ihm wachsen die Betonelemente empor – das ist die neue Schule in Hejnsvig. Er ist 15 Jahre alt, besucht die neunte Klasse und hilft gerade beim Ausbau seiner ehemaligen Schule.

Einige Meter entfernt arbeitet ein Bagger, während Valdemar mit einer Schaufel in der Hand steht und Anweisungen für den nächsten Arbeitsschritt erhält. Dies ist kein Schulausflug und kein einwöchiges Praktikum. Es ist ein fester Bestandteil seines Alltags.

Einen Tag pro Woche ist er als Jungmeisterlehrling bei Hejnsvig Maskinstation og Entreprenør tätig, einer Firma, die für die Erd- und Abwasserarbeiten beim Schulbau zuständig ist. Das bedeutet, dass er jeden Donnerstag den Unterricht gegen Bagger, Abwasserrohre und Erdarbeiten tauscht.

Das kommt Valdemar entgegen, denn er geht zwar gern zur Schule, arbeitet aber lieber mit den Händen. Deshalb verbringt er auch einen Großteil seiner Freizeit damit, zusammen mit ein paar Freunden alte Fahrräder aus den 1950er-Jahren zu restaurieren.

„Es wird schnell langweilig, den ganzen Tag nur vor dem Bildschirm zu sitzen. Hier draußen kann man etwas mit den Händen machen, und das macht mehr Sinn“, denkt er.

Nebenbei verdient Valdemar sich als Straßenkehrer etwas dazu und hat den nächsten Schritt selbst in die Hand genommen:

„Ich bin einfach hingegangen und habe gefragt, ob ich hier eine Lehrstelle bekommen kann, und sie haben zugesagt.“

Lehrling diesen Sommer
Es wurde nun vereinbart, dass er nach Abschluss der 9. Klasse diesen Sommer eine Ausbildung zum Maschinenbediener beginnen kann.

Obwohl er einen Tag pro Woche nicht zur Schule geht, stellt er fest, dass die Arbeit ihm wertvolle Einblicke in die Praxis ermöglicht.

„Beim Verlegen von Abwasserleitungen braucht man tatsächlich etwas Mathematik. Man muss die Rohrlängen berechnen und an die Muffen und so weiter denken“, sagt Valdemar.

Ihm gefällt, dass ihm die Arbeit auf der Baustelle auch einen besonderen Einblick in eine Welt gibt, die den meisten Gleichaltrigen noch fremd ist.

„Man bekommt so einiges an Insiderwissen darüber, wie es aussehen sollte und so weiter“, sagt er.

Ja, dank talentierter Leute. Bei Hejnsvig Maskinstation og Entreprenør ist Projektleiter Mathias Ståel überzeugt, dass die Ausbildung zum Junior-Meister eine Lösung für junge Menschen sein kann, die im traditionellen Schulsystem nicht so gut zurechtkommen.

„Wenn sie arbeiten wollen und Interesse zeigen, investieren wir gerne in sie. Das gibt ihnen Orientierung und sichert uns langfristig talentierte Mitarbeiter“, sagt er.

Das Unternehmen hat bereits mehrere junge Menschen in ähnlichen Programmen gefördert und leidet unter Fachkräftemangel in der Branche. Deshalb setzt Mathias Ståel darauf, dass Valdemar Andersen eines Tages zu seinen Mitarbeitern gehören wird.

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