Ribe: Es gab weder Handys noch Kameras, und aus dieser Zeit vor 1200 Jahren existieren keine exakten Bilder. Das ist der Ausgangspunkt, an dem die Schneiderin Anna Lund einen besonderen Anzug rekonstruieren soll.
Wie fertigt man einen Anzug an, von dem niemand weiß, wie er aussah?
Diese Herausforderung muss die Schneiderin Anna Lund vom Ribe VikingeCenter nun meistern. Ein Teil der Antwort liegt im Wissen über etwas, das 1200 Jahre alt ist.
Es geht um eine zentrale Figur der dänischen Geschichte: Bischof Ansgar. Der in Hamburg residierende Bischof reiste 826 als Missionar nach Dänemark, um das Christentum dort einzuführen.
Er prägte die Entwicklung des christlichen Glaubens maßgeblich, unter anderem durch die Kirche, die er Mitte des 9. Jahrhunderts in Ribe errichten ließ.
Es ist daher sehr passend, dass gerade in Ribe der Versuch unternommen wird, eine Vorstellung davon zu entwickeln, wie Ansgar bei seiner Ankunft in Dänemark tatsächlich gekleidet war. Dies ist möglich, da das Ribe VikingeCenter Unterstützung für die Anfertigung eines historischen Bischofsgewandes für Ansgar erhalten hat.
Ein Zuschuss von 18.000 Kronen aus dem Legat von Therkel Jørgensen ermöglicht die Anfertigung, so das Ribe VikingeCenter in einer Pressemitteilung.
Die Arbeit basiert auf umfangreichen Recherchen in europäischen Quellen aus dem 9. Jahrhundert. Es gibt keine dänischen Funde oder zeitgenössischen Abbildungen christlicher Gewänder aus dieser Zeit.
Das Gewand wird für die Vermittlung der Geschichte der Christianisierung Dänemarks durch das Zentrum verwendet und stellt ein neues Element in der Geschichte der Bekehrung in der Wikingerzeit dar.
Dieses Jahr jährt sich Ansgars Ankunft in Dänemark zum 1200. Mal. Im Ribe VikingeCenter spielt die Geschichte der Begegnung zwischen dem alten nordischen Glauben und dem neuen christlichen Glauben bereits eine wichtige Rolle in der Verbreitung dieser Geschichte.
Aus nächster Nähe erlebbar
Das Zentrum hat eine Holzkirche errichtet, die derjenigen ähnelt, die Ansgar Mitte des 9. Jahrhunderts in Ribe bauen durfte.
Besucher können die Anfänge des Christentums Seite an Seite mit dem alten Glauben erleben, der unter anderem durch einen Opferplatz, Zeremonien und Götterstatuen vermittelt wird.
Gleichzeitig geben die Kirche, der Friedhof und die historischen Zeremonien Einblick in den neuen Glauben, der in Dänemark langsam Fuß fasste. Die neue Bischofsrobe wird Teil dieser Verbreitung sein und mit großem Wert auf historische Handwerkskunst und Authentizität gefertigt.
Besucher können die Arbeiten in der 29. Kalenderwoche aus nächster Nähe verfolgen, wenn das Ribe VikingeCenter seine jährliche Veranstaltungswoche mit Schwerpunkt auf Wikinger-Textilkunst veranstaltet, so das Ribe VikingeCenter in seiner Pressemitteilung.