Von Schloss Nykøbing Falster ist nicht mehr viel übrig, doch die verborgenen Geschichten der Stadt offenbaren sich auf einem Spaziergang auf den Spuren von Königinwitwe Sophie – man muss nur wissen, wo man suchen muss. Vieles hat sich verändert, seit die reichste Frau Nordeuropas die Region regierte.
Von Schloss Nykøbing Falster selbst ist nicht mehr viel erhalten. Ein Teil des Gefängnisturms – fast nur noch ein Haufen roter Ziegelsteine mit dem kuriosen Namen „Fars Hat“ – vor dem örtlichen Kino ist alles, was von dem Renaissanceschloss übrig ist, das Ende des 16. Jahrhunderts so groß wie Kronborg war.
Auf den ersten Blick wirkt Nykøbing Falster wie eine Stadt, die historisch gesehen nicht viel zu bieten hat. Auf den ersten Blick ähnelt sie vielen anderen Bahnhofsstädten in Dänemark.
Doch es gibt einen Reiseführer für die Tasche: den Spaziergang „Auf den Spuren von Königin Sophie“ des Fremdenverkehrsamts. Sie war es, die 1594, nach dem Tod ihres Mannes und der Thronbesteigung ihres Sohnes Christian IV., in das frisch renovierte Schloss einzog.
Eine unternehmungslustige Königin. Doch Faulheit war sie keineswegs. Ihre Altersversorgung umfasste unter anderem ertragreiche Ländereien in Ost-Lolland, fast ganz Falster und Møn sowie Gebiete in Nordseeland. Dank ihres ausgeprägten wirtschaftlichen Verständnisses wurde sie zur reichsten Frau Nordeuropas und lieh ihrem Sohn Geld für große Bauprojekte in Kopenhagen und für eine Reihe von Kriegen, die er allesamt verlor.
Nur wenige Gehminuten von der Ruine entfernt ist Staldgården, ein kleines Viertel, benannt nach den einstigen königlichen Stallungen. Viel später wurden hier Arbeiterhäuser errichtet, heute ist es das idyllischste Viertel der Stadt und erinnert fast an Den Gamle By in Aarhus.
Es ist auch bezeichnend, dass sich vieles verändert hat – verständlicherweise –, seit die Königinwitwe die Region mit harter Hand regierte. Viele der 13 Stationen der Tour drehen sich nicht wirklich um Sophie, sondern sind eher ein allgemeiner Stadtspaziergang.
Nykøbing Falster hat keine ausgeprägte Altstadt wie viele andere Städte – die alten Gebäude liegen eingebettet zwischen neueren.
Drei Erlebnisse in Nykøbing Falster:
- Es sieht fast abenteuerlich aus, wenn die Mitarbeiter mit Hilfe von Besuchern die riesigen Felsbrocken verladen und vom Mittelalterzentrum aus in den Guldborgsund schießen. Hier findet man Häuser und Werkstätten in einer kleinen Hafenstadt, wie sie im Mittelalter ausgesehen haben mag. Freiwillige gehen in Kleidung aus dieser Zeit herum und sprechen die Besucher auf altmodische Art an.
- Kängurus, Geier, fliegende Hunde und Pinguine. Im Pangea Park, der in einer malerischen Gegend am Stadtrand liegt, leben Tiere aus fast allen Teilen der Welt. Der Park legt großen Wert auf Wissensvermittlung, sodass Besucher oft die Möglichkeit haben, den Tieren ganz nah zu kommen, beispielsweise bei der Fütterung.
- Schon der Name klingt geheimnisvoll: Museum Obscurum. Es ist schwer zu beschreiben, erinnert aber an die Kuriositätenkabinette vergangener Zeiten, in denen private Sammler alles Mögliche ausstellten, von ausgestopften Tieren über Mineralien bis hin zu Voodoo-Puppen. Doch wie das Museum selbst vor dem Betreten empfiehlt: Seien Sie stets kritisch gegenüber dem Gesehenen.
Natürlich bemerken Besucher, dass das rot-schwarze Fachwerkhaus an der Ecke Langgade und Færgestræde alt ist, aber ohne den Führer würde man kaum wissen, dass das Czarens Hus ein Gasthaus für Reisende war, die mit der Fähre nach Lolland fuhren. Dieses kann man zwischen den bunten Häusern in der Meerenge bis hinunter zum Wasser erahnen.
Das Gebäude wurde benannt, weil der russische Zar Peter der Große hier 1716 speiste.
Der Reiseführer ist gleichzeitig als Quiz für die ganze Familie gestaltet. An jeder Station gibt es zwei Fragen zur Geschichte und den jeweiligen Gebäuden: Wer war der Sohn von Königin Sophie? Welche Vögel sitzen auf dem Giebel des alten Gärtnerhauses, das zum Schloss gehörte?