Die Temperaturen halten sich konstant über 20 Grad; strahlend blauer Himmel: Das ideale Wetter für den Strand oder ein Foto-Shooting unter freiem Himmel. Da braucht es nur noch einen neuen Bikini und den passenden Fotografen. Der Bikini ist schnell gefunden – bei der Wahl des Fotografen sollte man sich Zeit lassen!

Nicht erst seit Heidi Klums Casting-Show »Germany’s Next Top Model«, träumen viele Mädchen davon, Haupt- oder Nebenberuflich als Model zu arbeiten. Und selbst wenn der Berufswunsch in eine andere Richtung geht, so sind »schöne Fotos« trotzdem in jedem Fotoalbum einer jungen Frau willkommen. Das wissen nicht nur professionelle Fotografen, sondern auch ambitionierte Amateurfotografen, unter denen sich nicht selten der sprichwörtliche Wolf im Schafspelz verbirgt. Nun ist es kein Straftatbestand ein schlechter Fotograf zu sein; jedoch geht es vielen dieser selbsternannten »Model-Fotografen« offensichtlich nicht nur darum, schöne Fotos zu machen.

Beispiel: Herr D. aus K.

Eine 15jährige Kielerin erhält von Herrn D. auf Facebook eine Nachricht, in der er sich als Fotograf vorstellt. Sie hätte eine tolle Ausstrahlung, und er könne sich ein Fotoshooting mit ihr vorstellen. Dabei verlinkt er auf seine Webseite, auf welcher er mit einem »Künstlernamen« auftritt, betont seine vielen »Referenzen« und dass er keine finanziellen Interessen hätte. Die 15jährige kennt den 60jährigen Fotografen nicht und wendet sich besorgt an ihre Eltern. Gemeinsam kann sich die Familie nur erklären, dass dieser Fotograf über die Facebook-Seite der »Holstein Kiel Cheerleader« auf die 15jährige aufmerksam wurde, da sich das Mädchen selbst sehr besonnen in den Sozialen Medien bewegt und Inhalte, wie Fotos und Statusnachrichten, grundsätzlich nicht öffentlich präsentiert.

Die Webseite des Herrn D. ist ebenso umfangreich wie unprofessionell. Dutzende von jungen Frauen werden als »Model« präsentiert, andere Amateurfotografen werden als Referenz angeführt und der Mann selbst gibt sich als »Model-Coach« mit mobilem Fotostudio. Immer wieder wird die Seriösität und ein Vertrag betont, der als PDF zum Download zur Verfügung gestellt wird; ebenso wie Tipps, woran junge Frauen unseriöse Angebote erkennen können. Sehr sichtbar auf der Internetseite ist gleichfalls ein Hinweis auf eine Jugendschutzbeauftragte.

Diese »Jugendschutzbeauftragte« entpuppt sich als Dienstleistungsunternehmen, welches Internetseiten lediglich auf jugendgefährdende Inhalte prüft. Ein, in diesem Kontext, völlig überflüssiger Hinweis.

Wir fragen nach, warum der 60jährige es nötig hat, Minderjährige auf Facebook anzusprechen – und erhalten zunächst keine Antwort. Wir teilen Herrn D. mit, dass sein Schweigen zu dem Vorwurf gleichfalls als Antwort gedeutet werden könne – seine Antwort kam prompt:

Herr D.: .. [..] .. ich bin fotograf und freier journalist aus kiel und muss dich zunächst einmal für dein unprofessionelles vorgehen rügen. deine schlüsse die du daraus ziehst das ich bisher nicht geantwortet habe sind keine fakten sondern deine eigenen fantasien und können niemals ein bestandteil von einrm sauberen journalismus sein. .. [..] .. wüßtest welches jugendschutzinstitut meine veröffentlichen kontrolliert und würdest die erklärung der kieler fotografen kennen die auch für mich bürgen. .. [..] .. zu deiner information: ich spreche keine kinder an! wenn ich jugendliche anspreche (das sind nach dem jugendschutzgesetz menschen ab einem Alter von 14 Jahren) dann weil sie älter aussehen und ein geburtsdatum nicht sichtbar ist. .. [..] .. es geht um fotokunst und nicht um mädels belästigen. .. [..] .. darauf hinweisen das ich jeden fall von übler nachrete und ähnlichem strafrechtlich verfolgen lassen würde. .. [..] .. weil mich deine art der herangegehensweise, deine schlampige recherche sowie deine versteckten drohungen sehr verwundern.
* Rechtschreibung und Orthografie wurde aus dem Original übernommen.

Da wir den Vorwurf einer schlampigen Recherche nicht so stehen lassen wollen, recherchieren wir. Dabei finden wir Herrn D. in einem anderen sozialen Netzwerk, wo er unter einem anderen Nicknamen ebenfalls junge Frauen anspricht. Daria W., eine 19jährige Tänzerin aus Kiel, hat auch schon von Herrn D. Post bekommen:

Als sie nicht antwortet, erhält sie einige Wochen später eine erneute Aufforderung:

Auf seinem Profil in diesem Netzwerk sucht er nach »Hobby-Fotomodellen« und ergänzt den Zusatz: »Ich bin nicht alleine und interessiert an SM-Kontakten«.

Kein Straftatbestand

Das Verhalten und öffentliche Auftreten von Herrn D. erfüllt absolut keinen Straftatbestand. Es mag etwas grenzwertig erscheinen und den Mann in ein moralisch fragwürdiges Licht rücken – aber es ist gesetzlich nicht verboten. Sehr deutlich wird jedoch, dass es diesem »ambitionierten Amateurfotografen« sicher nicht (nur) um Fotos geht. Gleichfalls ist es uns nicht gelungen, innerhalb unserer Recherchen, irgendwelche fachliche Kompetenz zu entdecken, die den Mann als »Model-Coach« o. ä. prädestinieren.

Kein Generalverdacht

Das Beispiel von Herrn D. ist sicherlich kein Einzelfall. Trotzdem gibt es zahllose Hobby- und Amateurfotografen, die mit sehr viel Freude und Begeisterung ganz hervorragende Arbeiten abliefern. Dazu kommt, dass diese Fotografen oft kein finanzielles Interesse verfolgen, sondern ihre Dienstleistung oftmals kostenlos anbieten. Dabei einigen sich Fotograf und Modell dann nicht selten über eine gemeinsame Nutzung dieser Fotos.

Worauf sollte man bei der Wahl des Fotografen achten?

Zunächst einmal sollte man sich die Frage stellen, ob man überhaupt einen Fotografen braucht. Oftmals gibt es ein Elternteil, Onkel, Klassenkammerad oder beste Freundin, die ebenfalls solche privaten Fotos machen könnten. Kommt man nicht ohne Fotografen aus, so wäre der Gang in das nächste Fotostudio am sichersten. Hier arbeiten gelernte Fotografen, die oftmals solche Shootings unterschiedlichster Natur in Paketen anbieten. Die Preise variieren hierbei. Allerdings erhält man dann auch Fotos, die keiner besonderen Nutzungsvereinbarung unterliegen. Ein Fotostudio wird solche privaten Bilder niemals ins Netz stellen oder anderweitig verwenden.

Sofern die Wahl doch auf einen Hobby- oder Amateurfotografen fallen, sollte man sich etwas Zeit für die Auswahl nehmen. Unter model-kartei.de sind viele Profi- und Amateurfotografen registriert. Hier kann man sich ein umfassenes Bild über die bisherigen Arbeiten der Fotografen machen. Gleichfalls haben andere Models die Möglichkeit den Fotografen in Kommentaren zu bewerten. Dies wird ausschließen, dass sich ein Fotograf gegenüber einem Modell unangemessen verhält.

Wachsam sollte man werden, wenn Hobbyfotografen ein überprofessionelles Bild von sich selbst abzugeben versuchen: Model-Coach, Model-Scout, People-Fotograf, u. ä. sind Begriffe, die aus der Werbeindustrie stammen und mit denen reguläre Fotomodellagenturen und Werbefotografen arbeiten. Solche Agenturen suchen sich ihre Models allerdings nicht auf der Straße, in Internet-Foren oder gar auf Facebook. Sollte man also solche Angebote unaufgefordert in sozialen Medien bekommen – Finger weg!

Ist die Wahl auf einen Hobbyfotografen gefallen, sollte man immer die Möglichkeit haben, ein Elternteil, Freund oder die beste Freundin bei dem Shooting dabei zu haben. Wichtig: Verträge oder schriftliche Vereinbarungen sind nicht gültig, wenn sie von Minderjährigen unterschrieben werden. Auch sollte darauf geachtet werden, dass dem Fotografen kein unbefristetes und uneingeschränktes Nutzungsrecht eingeräumt wird. Es reicht aus, wenn der Fotograf eine handvoll Fotos aus einem Shooting auf seiner Webseite oder Facebook-Profil verwendet. Ganze Serien veröffentlichen zu wollen, wäre unangebracht und bedürfte unter allen Umständen der Einwilligung des Modells oder dessen Erziehungsberechtigten.

Wie wichtig sind Modellverträge?

Modellverträge, sog. Vouché, sind i. d. R. Vereinbarungen, die bei einem professionellem Model die Veröffentlichungsrechte des Auftraggebers, sowie das Honorar und ggf. Anteile einer Fotomodellagentur, definieren. In einem privaten Kontext wird ein Modellvertrag also immer zugunsten des Fotografen ausfallen, da das Fotomodell dem Fotografen Veröffentlichungsrechte schriftlich einräumt und an ihn abtritt. Ohne einen solchen Vertrag, z. B. bei mündlicher Vereinbarung und Zustimmung, könnte sich das Model jederzeit auf »Das Recht am eigenen Bild«, ein durch Art. 2 Abs 1 in Verbindung mit Art. 1 GG geschützten Rechts auf informationelle Selbstbestimmung, berufen, die dem Fotografen auch dann eine Veröffentlichung untersagt, wenn er der »Urheber« des Bildes ist.

Die US-amerikanische Grafikerin Michele R. stand bis vor wenigen Jahren mehreren Amateurfotografen und freiberuflichen Künstlern auch für Aktaufnahmen zur Verfügung. Dabei hat sie sich stets geweigert, irgendwelche schriftlichen Vereinbarungen zu unterschreiben. »Es war eine mündliche Vereinbarung zwischen erwachsenen Menschen.«, sagt sie. Dabei sah sie keinen Grund, ihre Rechte an private Fotografen mit einer schriftlichen Vereinbarung abzutreten. Vor etwa zwei Jahren bat sie alle Fotografen ohne Angabe von Gründen, die Fotografien mit ihr von Webseiten und aus Bilderforen zu löschen, da sie mit einer weiteren Veröffentlichung nicht mehr einverstanden sei. Alle Fotografen kamen ihrer Bitte nach und löschten die Bilder. »Irgendwann kann man an einen Punkt oder eine Lebenssituation kommen, wo man einfach nicht möchte, dass man mit Bildern im Internet zu sehen ist. Auch kann es beruflich irgendwann einmal von Vorteil sein, dass da keine Bilder auftauchen, wenn man gegoogelt wird. Hätte ich den Fotografen eine schriftliche Zustimmung zu einer unbefristeten Veröffentlichung gegeben, wäre es unmöglich gewesen, die Löschung einfach so zu verlangen.«, sagt sie.

Modellverträge werden grundsätzlich bei einer gewerblichen Nutzung der Aufnahmen durch den Fotografen oder eines Auftraggebers geschlossen, da sie Art und Umfang der Veröffentlichung, sowie das Fotomodellhonorar vereinbaren. In einem professionellen Modellvertrag wird das Veröffentlichungsrecht auch nicht uneingeschränkt an den Auftraggeber übertragen, sondern ist i. d. R. auf eine Kampagne bezogen und zeitlich begrenzt. Bei professionellen, gewerblichen, Fotoshootings hat also ein Modellvertrag eine wichtige Rolle – nämlich die Regelungen des Honorars, der Veröffentlichungs- und Nutzungsrechte, sowie die Dauer der Kampagne.

Werden schriftliche Vereinbarungen mit privaten Amateurfotografen geschlossen, sollte darauf geachtet werden, dass eine Veröffentlichung durch den Fotografen nicht nur zeitlich befristet ist, sondern zudem auch explizit definiert, wo die Bilder in welchem Umfang veröffentlicht werden. Ganz ausschließen sollte so eine private Vereinbarung eine gewerbliche Nutzung der Bilder durch den Fotografen.

Klaudia M., ein ehemaliges Fotomodell aus Kiel, die auch schon für zahlreiche professionelle Fotografen und Mode-Kampagnen gearbeitet hat, kennt das Problem mit solchen Modellverträgen privater Amateurfotografen. »Den meisten Amateurfotografen sollte man bei einem Modellvertrag keine böse Absicht unterstellen,« betont das Ex-Modell. »Es wird einfach versucht, ein bisschen professioneller zu wirken und dabei schriftlich zu garantieren, dass mit den Fotos kein Mißbrauch geplant ist. Leider kennen sich diese Fotografen aber oft überhaupt nicht mit branchenüblichen Vereinbarungen aus und schreiben Verträge zusammen, die zwar gut gemeint sind und auch wichtig aussehen, dem Model aber letztlich nur schaden, wenn es zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung käme.«

Wir legen Klaudia den Vertrag eines Kieler Amateurfotografen vor, der ihn auf seiner Webseite zum Download zur Verfügung stellt und bitten sie um Stellungnahme:

[Auszug] .. Das Model und der Fotograf treffen unwiderruflich und zeitlich unbefristet nachfolgende Vereinbarungen über die Nutzung an den am __.__.____ durch den Fotografen von dem Model
angefertigten Fotos.

»Unwideruflich und zeitlich unbefristet bedeutet, dass dieser Vertrag mit Blut geschrieben ist. Das Model verzichtet damit auf jeden Widerspruch und ist damit einverstanden, dass die Aufnahmen auch in vielen Jahren noch verwendet werden. Kein guter Anfang…«

[Auszug] .. Der Fotograf erteilt als Urheber dem Model nachfolgende Nutzungsrechte: Die ausschließliche Veröffentlichung der Fotos zur Eigenwerbung wie Bewerbungen, eigene Webauftritte, soziale Netzwerke, die Seite von (Fotograf) und natürlich auch zum Ausdrucken für private Zwecke. Eine kommerzielle Nutzung ist nicht gestattet.

»Was ist das?! In einem professionellen Modellvertrag werden die Rechte einer Nutzung vom Model an den Fotografen übertragen – und nicht umgekehrt. Hier glaubt der Fotograf, der Urheber habe das Nutzungsrecht. Das ist falsch. Das Nutzungsrecht liegt zunächst immer bei der abgebildeten Person.«

[Auszug] .. Das Model erhält als Honorar innerhalb von dreißig Tagen ab dem Shooting vom Fotografen einen geschützten Downloadlink mit einer Auswahl von 40 bearbeiteten Bildern. Mit diesem Honorar sind sämtliche Ansprüche des Models abgegolten.

»Gut. Hier wird ein Honorar vereinbart. Damit kann der Fotograf/Auftraggeber natürlich die Nutzung der Bilder durch das Model selbst einschränken oder ganz unterbinden. Dass mit der Zahlung eines Honorars sämtliche Ansprüche abgegolten sind, ist absolut branchenüblich. Ich vermisse allerdings die Angabe, wie hoch das Honorar ist.«

[Auszug] .. Der Fotograf verpflichtet sich ebenfalls seine Arbeiten ausschließlich zur Eigenwerbung, eigene Webauftritte, wie z. B. die Seite (Webseite) und natürlich auch zum Ausdrucken, z. B. für Ausstellungen, zu nutzen.

»Ich finde es unüblich, dass hier ein Honorar gezahlt wird, wenn der Fotograf die Bilder nicht gewerblich nutzt, bzw. nur von eigenen Webauftritten und Ausstellungen spricht, ohne diese genau zu benennen. Ein Schelm, wer Böses denkt, aber ich würde mir diese „eigenen Webauftritte“ schon sehr genau anschauen wollen.«

[Auszug] .. Sollten dem Model bestimmte Bilder aus sachlich nachvollziehbaren Gründen nicht gefallen, ist er (der Fotograf) bereit diese von einer Veröffentlichung auszuschließen.

»Das ist eine nette Geste; widerspricht aber der Klausel einer unwiderruflichen Vereinbarung und dem Verzicht auf sämtliche Ansprüche nach Zahlung des Honorars. Was denn nun?«

[Auszug – Nachtrag zur Nutzung von Fotos in sozialen Netzwerken] .. So, dienen sie z. B. Bilderkennungsprogrammen mit denen Polizei, Justiz und Arbeitgeber dich erkennen können und leiten Bilddaten an Geheimdienste weiter. Deshalb haben Bilder in Verbindung mit Echtnamen in sozialen Netzwerken nichts zu suchen!

»Das ist also der Grund, warum die Models die Bilder in sozialen Netzwerken nicht verwenden sollen. Ich glaube, dieser Hinweis spricht Bände und disqualifiziert diesen „Vertrag“ endgültig als professionelle Vereinbarung. Ich habe solche Verträge allerdings schon häufiger gesehen. Mal abgesehen von dem lächerlichen Hinweis auf Geheimdienste. Ich bleibe auch dabei, dass solche Amateurfotografen es wirklich nicht böse meinen, sondern dem Model ein Gefühl der Sicherheit vermitteln wollen. Aber mal ehrlich: man braucht kein Jurist zu sein, um zu erkennen, dass ein Model mit so einem Vertrag bei einem deutschen Gericht kaum eine Chance hat, nachträglich etwas einzufordern oder einer Nutzung zu widersprechen. Ich rate Amateurfotografen und auch Models, sich einmal die Vertragsvordrucke der Bundesagentur für Arbeit anzuschauen, die für Künstler- und Modelagenturen gelten, die man aber auch leicht für private Zwecke umschreiben könnte. Diese Verträge regeln die Interessen beider Seiten sehr fair und sind ganz ohne Frage weitaus professioneller, als so ein selbstgebastelter Vertrag.«

Vorsicht bei Tanz- oder Sportvereinen und sozialen Netzwerken

So, wie junge Frauen hin und wieder einen Fotografen suchen, suchen auch Amateurfotografen nach neuen Fotomodellen. Hierbei stünde ihnen selbstverständlich auch ein Model-Fotograf-Portal, wie model-kartei.de, zur Verfügung. Dabei hätten Hobbyfotografen grundsätzlich die Möglichkeit zu einem Kontakt zu Amateurmodellen, die einen solchen Kontakt auch tatsächlich wünschen. Leider kommt es immer wieder dazu, dass Amateure in sozialen Medien, anderen Plattformen oder auf offener Straße nach potentiellen Modellen suchen. Im Rahmen unserer Recherche stießen wir dabei in einem erhöhten Maße auf Tanz- und Sportvereine, aus denen Amateurfotografen immer wieder Modelle zu rekrutieren versuchen. Im Mittelpunkt stehen dabei »körperbetonte« Sportarten, wie Turnen, Cheerleading, Rhythmische Sportgymnastik oder Ballett. Viele dieser Vereine betreiben Facebook-Seiten, auf denen meist viele Fotos von Veranstaltungen, Wettkämpfen oder Auftritten veröffentlicht werden. Nicht selten verewigen sich dann auch die jungen Sportler/innen auf diesen Seiten und liefern damit einen direkten Link zu ihren privaten Accounts.

Ekaterina Tsirkova, Trainerin des Hamburger RSG-Dance-Teams »ELASTICA« sagt in einem Gespräch dazu:

Das ist wirklich ein großes Problem. Wir hatten für unseren Verein auch eine Facebook-Seite. Die Eltern und auch unsere Gymnastinnen haben danach allerdings immer wieder darauf hingewiesen, dass die Gymnastinnen dubiose Angebote und massiv Freundschaftsanfragen von Unbekannten erhielten. Wir haben im Verein sofort reagiert und die Facebook-Seite in eine geschlossene Gruppe umgewandelt. Das ist natürlich etwas schade für die Mädchen. Die freuen sich natürlich auch, wenn sie ihren großen Moment mit Freunden und Bekannten unbeschwert teilen können und für ihre sportliche Leistung Lob und Anerkennung erfahren. Ich selbst bin schon seit meiner Kindheit in diesem Sport und habe schon sehr unschöne Dinge erlebt. Auch bei Auftritten und Veranstaltungen gibt es immer wieder Fotografen, die nicht wegen des Sport kommen, glauben Sie mir. Meine Mädchen wissen das inzwischen. Ich stehe als Ansprechpartnerin immer zur Verfügung und ermahne die Mädchen nicht selten zu einem besonnenen Umgang mit Facebook oder Instagram, Snapchat, und wie sie alle heißen. Aber ist das nicht traurig? Wenn eine 12jährige stolz auf ihren Sport und ihre Leistung ist, bricht es mir das Herz, dieses Kind dann mit solchen unschönen Dingen zu konfrontieren und zu belasten. Dabei hätten Fotografen, die unseren Sport wirklich mögen, jederzeit die Möglichkeit, sich erst einmal an den Verein oder uns Trainer zu wenden. Fotografen, die die Mädchen unaufgefordert direkt ansprechen, verdienen überhaupt keinen Respekt. Es gibt in Gottes Namen nicht einen vernünftigen Grund auf dieser Welt, warum ein erwachsener Mensch einem Kind ein solches Angebot macht. Das gehört sich einfach nicht. Wenn also Eltern oder meine Mädchen mit so einem Problem zu mir kommen, laufen sie offene Türen ein. Innerhalb des Vereins arbeiten wir auch bei öffentlichen Veranstaltungen im Stage-Bereich nur mit uns bekannten Fotografen, die uns dann die Bilder zur Verfügung stellen, oder Fotografen, die sich als Presse ausweisen können. Fremde Fotografen sind inzwischen nicht mehr willkommen. Das ist zwar schade für den Sport – aber sicherer für unsere Mädchen. Dabei ist es schon vorgekommen, dass wir Fotografen auch bei Wettkämpfen gebeten haben, das Fotografieren zu unterlassen oder die Veranstaltung ganz zu verlassen.

Auch Peter und Stefanie Geyer, Trainer der »Holstein Kiel Cheerleader«, kennen das Problem und kümmern sich sehr engagiert um ihre jungen Sportlerinnen. Peter Geyer selbst hat viel Erfahrung, insbesondere mit Sportfotografie, und kennt auch die Anforderungen, des Sports und auch der Sportlerinnen:

»Digitalfotografie hat zwei Dinge hervorgebracht: Millionen von Fotos, die Ausschuss sind und Hunderte, wenn nicht Tausende von Menschen, die auf einmal Fotograf sind. Ich habe die Mitte vierzig überschritten und trainiere seit über 20 Jahren Cheerleader. Zusätzlich kümmere ich mich um deren Vermarktung und da geht es hauptsächlich um Fotos, vornehmlich von Auftritten. Dabei ist der Großteil der Fotos nicht inszeniert, sondern ergibt sich aus dem sportlichen Geschehen. Eine Halbzeitshow läuft nur einmal. Wiederholungen sind nicht möglich. Beim nächsten Spiel vielleicht. Ich bewege mich also zu großen Teilen in der Sportfotografie und habe dort die Erfahrung von mittlerweile rund 45.000 Bildern, dazu kommen dann bestimmt noch einmal 15.000 private Aufnahmen. Dabei bin ich Autodidakt und habe vor über 35 Jahren mit einer Pocketkamera angefangen. Mit zwanzig folgte die erste Spiegelreflex, gebraucht, und so ging es weiter. Seit fast 15 Jahren digital und damit stieg die Anzahl der Fotos sprunghaft. Während man analog von einem Auftritt vielleicht 15 Fotos gemacht hat, mache ich heute digital von gesamt 25 min Aktion rund 250 Bilder. Wobei die größte Herausforderung ist, immer mal wieder neue Perspektiven und Motive zu finden.

Doch zum Thema: Die Anzahl der Fotografen steigt. Wöchentlich. Täglich. Wobei ich mich immer frage, ob nur die Anzahl der App User, Photoshop User, etc. steigt. Die Anzahl der wirklich kreativen Fotografen stagniert eher. Mainstream regiert. Fotoketten bieten die immer gleichen Shootings an. Family and friends in Jeans mit weißem T-Shirt. Beim ersten Mal nett, beim zwanzigsten Mal einfach nur langweilig. Aber wenigstens seriös. Schwieriger wird es mit denen, die halbwegs dubiose Shootings für wenig oder gar kein Geld anbieten und dafür Modelle suchen. Ich unterstelle dabei niemand pauschal böse Absichten, aber vermutlich steigt mit der Zahl der Angebote die Zahl der schwarzen Schafe logischerweise an. Wir haben mittlerweile im Verein eine Datenschutzregelung für die Verwendung von Bildern und Namen. Damit sind wir recht weit vorne dabei. Trotzdem haben und hatten auch wir schon erhebliche Probleme mit Aktiven, Erziehungsberechtigten, usw. Und hier geht es wohlgemerkt nur um Sportler, die öffentlich auftreten und dabei fotografiert werden. Jeder Privatmann, Pressefotograf, usw. kann also zeitgleich ähnliche Bilder machen.

Ich achte zu erheblichem Maße darauf, dass auf den veröffentlichten Bilden nichts zu sehen ist, was auf solchen Bildern nichts zu suchen hat. Viele meiner Sportler sind Jugendliche und Kinder. Diese sollen nett, gut und auch ein bisschen sexy wirken, aber immer altersgerecht und niemals billig. Da wirkt manches Bild eher etwas langweilig, aber man ist auf der sicheren Seite. Die Bilder unterscheiden sich dabei oft von denen, die die ein Teil der Aktiven immer mal wieder auf instagram und Co. veröffentlicht.

Auch von unseren Aktiven bekamen schon mehrere Fotoangebote. Ich kann davon eigentlich nur abraten, zumindest dann, wenn nicht erkennbar ein seriöser Auftrag dahintersteht. Was im direkten Freundeskreis vielleicht noch möglich ist, aber auch dort schon zu Problemen führt – Wer hat noch Dateien, wenn der oder die „bff – best friend forever“ nicht mehr bff ist? – kann im halbprofessionellen Bereich ganz schnell völlig aus dem Ruder laufen. Wer hat Aufnahmen? Was geschieht mit diesen Daten? Wann werden sie vernichtet? Was passiert mit dem Ausschuss? Gibt es überhaupt eine schriftliche Vereinbarung? Gibt es überhaupt ein Gewerbe? Wer also auf solche Angebote eingehen möchte, sollte sehr genau die Rahmenbedingungen prüfen und nicht leichtgläubig auf Versprechungen eingehen. Und besonders Jugendlichen kann man nur dringend dazu raten die Eltern und Erziehungsberechtigten mit ins Boot zu holen. Und wer über 18 ist, sollte zumindest Freunde und Freundinnen einweihen und auch mitnehmen. Referenzen sind sicher auch immer ein gutes Zeichen. Ruhig auch persönlich mit anderen Modellen sprechen und deren Erfahrungen erfragen. Seriöse Fotografen werden keine Probleme damit haben Referenzen zu benennen.
Insgesamt kann man nur zur Vorsicht raten.«

Welche Gefahr besteht, wenn man an »den Falschen« gerät?

Man muss nicht mit dem Schlimmsten rechnen. Die Möglichkeit einer Vergewaltigung ist bei einem vereinbarten Fotoshooting nicht höher, als bei anderen Freizeitaktivitäten. Sehr wohl aber klagen Amateurmodelle, die dies schon länger machen, über eine mehr oder weniger plumpe Anmache, Zudringlichkeiten und eindeutige Angebote seitens der Fotografen. Dazu gehört auch, dass es immer wieder dazu kommt, dass Fotografen versuchen, andere Bilder zu machen, als ursprünglich vereinbart. »Zuerst wird gefragt, ob man die Schulter etwas frei machen kann – dann, ob man sich auch in Unterwäsche fotografieren lassen würde und so weiter«, verrät Michele R. »Gerade auf Anfängerinnen wirkt so ein Verhalten sehr schmierig und belastend. Sobald man sich bei einem Shooting unwohl fühlt, sollte man Abbrechen, seine Sachen packen und nach Hause gehen.«

Die eigentliche Gefahr besteht dabei nicht in einer plumpen Anmache oder in schlechten Fotos. Eine weitaus größere Gefahr besteht darin, wie und wo die Bilder dann letztlich veröffentlicht werden; bzw. welche Wege sie dann beschreiten. »Ich habe viele Shootings mit Amateuren gemacht«, erzählt Michele R. »Darunter waren auch etliche Akt-Shootings. Das war für mich okay und mir gefielen viele der Bilder selbst auch. Veröffentlicht wurden einige der Bilder dann auf den Facebook-Seiten der Fotografen und teilweise auch auf anderen Webseiten. Auch das war für mich okay. Irgendwann sagte ein Bekannter, er habe auch Bilder von mir in anderen Foren entdeckt – mit teilweise sehr widerlichen Kommentaren. Da habe ich dann die Notbremse gezogen und die Fotografen gebeten, alle meine Bilder zu löschen. Die Fotografen haben sofort reagiert und es ist mir auch gelungen, diesen Eintrag aus dem Porno-Forum löschen zu lassen. Nun sind zwei Jahre vergangen und unter meinem Namen findet Google keine Bilder mehr von mir. Na klar weiss ich, dass viele dieser Bilder noch irgendwo da draußen herumschwirren. Was einmal im Internet ist, bleibt im Internet. Viele Jugendliche wissen auch gar nicht, was da im Netz abgeht. Das ist das eigentliche Problem – und eigentlich auch die Verantwortung der Amateurfotografen – eine verdammt große Verantwortung!«

Vertrauen ist wichtig

Hobby und Freizeit möchte man mit Menschen verbringen, die man mag. Das gilt für den Sportverein und natürlich auch für jede andere Freizeitbeschäftigung. Gerade deswegen ist es wichtig, dass Modell und Fotograf sich in einer ungezwungenen Atmosphäre kennenlernen. Freiwillig – weil beide es möchten. Wenn Amateurfotografen, meist erwachsene Männer, also in sozialen Medien oder gar auf der Straße junge Frauen und Mädchen ansprechen oder teilweise sogar bedrängen, wird das bei den Mädchen eher eine Stresssituation auslösen, als die Lust auf einen unbeschwerten »Foto-Nachmittag«. So ein Verhalten zerstört unheimlich viel Vertrauen und färbt sich auf alle anderen Amateurfotografen ab. Ein Mädchen, welches schlechte Erfahrungen mit einem Fotografen gemacht hat, wird sich vermutlich nicht auf einen Zweiten einlassen – selbst wenn sie unter Umständen sogar großes Talent oder Freude am Modeln hat. Gleiches gilt für den Umgang mit den Fotos. Hobbyfotografen und Modelle wollen ihre Bilder selbstverständlich zeigen. Heutzutage geschieht dies meist im Internet. Während Modelle oftmals solche Bilder auf Facebook, Instagram, Twitter oder Tumblr veröffentlichen, haben Fotografen oftmals noch eine eigene Webseite oder ein Fotoforum. Warum ist es nicht möglich, dies bei einem Fotoshooting mündlich zu vereinbaren und auch dabei zu belassen? Warum lassen erwachsene Männer junge Frauen Verträge unterschreiben, die ihnen ganz bewußt, vorsätzlich, unwiderruflich und zeitlich unbefristet sämtliche Rechte an ihren Fotos absprechen? Dass einmal im Internet veröffentlichte Bilder rein theoretisch jederzeit und überall wieder auftauchen könn(t)en, stünde auf einem anderen Blatt.

Aufklärung sollte (leider) früh anfangen.

Kinder und Jugendliche wachsen zunehmend in einer visuell geprägten Medienwelt auf. Viele Formate im Fernsehen und Internet unterstützen dieses. Eltern, Schule und andere Vetrauenspersonen tun gut daran, Kinder und Jugendliche rechtzeitig vor den Tücken einer solchen Medienflut zu warnen und zu einem »besonnenen Umgang« mit digitalen Medien anzuhalten. Gleiches gilt auch für erwachsene Amateurfotografen, die viel mehr »Professionalität« bewiesen, wenn sie fair und verantwortungsvoll mit ihren jungen Fotomodellen und deren Bilder umgingen, anstelle von in Stein gemeißelten Verträgen oder vorgegebenen Jugenschutzbeauftragten.

In diesem Sinne wünschen wir allen Hobbymodellen und -Fotografen einen unbeschwerten Fotosommer.

von

Mchael Schwarz – 31.07.2016